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LP auf CD - so geht's


4.1.4. Schallplatten waschen mit Rasiergel

Eine Alternative zum Waschen von Schallplatten hat mir MetalGasi @ t-online.de geschrieben. Hier das Zitat seiner E-Mail vom 2002-01-07:

"lieber Jörg!
ich habe mir deine ausführungen zum überspielen von vinyl auf pc bzw cd genau durchgelesen und muss dabei feststellen, dass du, wie auch andere leute, welche tipps dazu ins internet stellen, eine geschichte nicht wissen oder diese zumindest nicht erwähnen. um laute knackser oder sogar sprünge auf vinyl wirklich wirkungsvoll zu beseitigen, gibt es einen trick, den schon die hippies erfolgreich einsetzten:

  1. vinyl mit wasser anfeuchten.
  2. vinyl mit rasierschaum oder besser rasiergel mit einem weichen tuch im uhrzeigersinn so einreiben, dass die rille komplett bedeckt ist. (eher zu viel als zu wenig gel verwenden! am besten eignet sich das rasiergel von gillette!)
  3. je nach stärke der beschädigungen 10 - 30 min einwirken lassen.
  4. danach mit lauwarmem wasser sehr gründlich abspülen. während des abspülens mit einem weichem tuch im uhrzeigersinn abreiben. (es ist wichtig dass das komplette gel sorgfältig runtergespült wird, damit der mist hinterher nicht an der nadel klebt!!!!). dazu verwendet man am besten eine nicht zu stark eingestellte duschbrause. dies ist die gründlichste methode!
  5. zum schluss die schallplatte schonend trocknen. Fertig.

falls du diese vorgehensweise noch nicht kennen solltest oder der geschichte skeptisch gegenüberstehst, solltest du das an einer scheibe ausprobieren, die du ohnehin nicht magst und deshalb schon auf ihr gefrühstückt hast. du wirst vom ergebnis begeistert sein. glaub mir! ich sage nur - Knacker und Knackser ade! vergiss einfach teure mittelchen, die viel versprechen und nix einhalten können. vergiss auch diese mischungen aus der apotheke. rasiergel ist das einzige was wirklich hilft!!!!

schreib mir mal bitte, wie dir diese methode geholfen hat!

Stephan"
(Zitat Ende)


Nachtrag

Thilo H.G. Scherr  testete das Verfahren und schrieb per E-Mail am 2002-07-16:

"Hallo Jörg,
nachdem mir schon seit einiger Zeit der Beitrag von Stefan 'Schallplatten waschen mit Rasier-Gel' nicht mehr aus dem Kopf geht, habe ich mich entschlossen, dieses einmal zu testen.

So besorgte ich mir also letzte Woche im Drogeriemarkt eine Dose Gillette Rasier-Gel Typ Artic Ice, besonders pflegend und hautbalancierend für immerhin fast drei Euro. (Du siehst, ich lasse mir den Test etwas kosten.)

Wie in der Anleitung beschrieben befeuchtete ich sowohl eine Maxi als auch eine ältere LP mit Wasser und brachte darauf gut deckend Rasier-Gel auf. Dabei stellte sich heraus, dass die wenigen Tropfen Wasser, welche auf der Schallplatte haften blieben, nicht ausreichend waren und ich noch einige Tropfen zusätzlich mit aufbringen musste, um eine gute Konsistenz des Schaums zu erreichen. Das Ganze lies ich dreißig Minuten einwirken und spülte es danach mit einer mäßig stark eingestellten Brause mit lauwarmem Wasser unter Reiben mit einem Tuch ab.

Danach rieb ich die Schallplatte mit einem trockenen Tuch leicht ab und ließ sie vollständig trocknen. Bei genauem Hinsehen fiel auf, dass, obwohl sich das Rasier-Gel sehr gut abwaschen ließ und auch sehr wasserlöslich ist, etwas davon zurückgeblieben sein musste, da die Oberfläche der Platte unregelmäßig, wolkig, weißlich, fast unsichtbar belegt war. Dies wurde auch dadurch bestätigt, dass die Platte noch leicht nach dem Gel roch. Besagter Rückstand lässt sich auf den glatten Bereichen der Schallplatte mit einem trockenen Tuch relativ problemlos auspolieren; mir kommt der Rückstand leicht schmierig, ölig, fettig vor. Wie sich dies dann in den Rillen der Schallplatte zukünftig auswirkt, vermag ich nicht zu sagen.

Ein akustischer Vergleichstest der beiden Schallplatten, welche ich zuvor 'unbehandelt', aber gereinigt aufgenommen hatte, brachte keine Unterschiede an den Tag. Knacker und Kratzer blieben in ihrer Intensität unverändert, auch das Knistern unterschied sich nicht. Lediglich das allerfeinste Knistern schien sich minimal gebessert zu haben. Dies rechtfertigt jedoch nicht den (hohen) Aufwand dafür.

Wie auch schon mit anderen 'Zaubermittelchen', welche ich getestet habe, muss ich wieder feststellen, dass diesbezügliche Aussagen nicht der Realität und der Praxis entsprechen. Das Einzige, was ich mir vorstellen könnte ist, dass diese Behandlung die auf der Platte vorhandenen Dreckpartikel (zumal der Kollege ja schon darauf gefrühstückt hat) anlöst, reinigt und beseitigt. Somit wären hier zwischen einer ungereinigt abgespielten Schallplatte und einer mit Rasier-Gel gereinigten Schallplatte natürlich akustische Verbesserungen gegeben, welche aber lediglich auf dem Reinigungseffekt beruhen und nicht auf einer wirklichen Kratzer-Reduzierung oder -Minderung.

Es ist halt für den Normalanwender, der in den meisten Fällen nicht über ein Schallplattenwaschgerät verfügt, sehr schwierig, diese Tests mit einer wirklich sauberen Ausgangsplatte durchzuführen. Naja, ich bin mir auch nicht ganz so sicher, wie Stephan das in seiner eMail meint, aber er schrieb ja 'laute knackser oder sogar sprünge auf vinyl wirklich wirkungsvoll zu beseitigen'; das ist jedenfalls nicht der Fall.

Ich wünsch Dir was, bis die Tage,
Thilo"
(Zitat Ende)


Nachtrag 2

Friedemann Krug  schrieb per E-Mail am 2004-04-11:

"Ich habe dies alles schon vor 30 Jahren getestet, allerdings mit einem kleinen Unterschied. Ich habe die Platten vor dem Kopieren (damals auf Band) gründlich gereinigt, aber dann nass abgespielt.
Der Effekt ist, dass der normale analoge Audio-Frequenzbereich bis 14000Hz so gut wie nicht beeinträchtigt wird, aber die höherfrequenten Knackser gedämpft werden durch die Trägheit der Nadel im Wasserfilm. Die Qualitätssteigerung ist deutlich zu hören, man sollte aber keine "Beseitigung" von Knacksern erwarten. Dies ist nur digital im Nachgang möglich (remastering).

Noch etwas wichtiges. Haarshampoo ist sehr gut als Waschlotion geeignet, weil es nach dem Trocknen keine Kalkrückstände hinterlässt, die ansonsten bei der wieder trockenen Platte das Knistern noch verstärken könnten. Es tut aber auch jede andere kalkfreie Lotion/Gel.
Wichtig ist auch die absolute Fettbeseitigung auf der Platte, damit der hauchdünne Wasserfilm flächendeckend auf der Platte liegt.

Viel Spaß beim Probieren.

Friedemann
California/U.S.A."
(Zitat Ende)



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