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LP auf CD - so geht's


4.1.1. Nassabspielen von LPs

Für die Verwendung des klassischen Nassabspielgeräts Lencoclean der Firma Lenco (Bezugsquellen siehe unten) hat mir Martin Nägele folgende Anleitung geschrieben:

"Grundsätzlich funktioniert das Gerät mit jedem Plattenspieler. Es kann nur bei manchen Geräten mit besonders flacher Haube sein, dass die Haube nicht mehr schließt, weil sie an den Tank des Nassabspielgeräts stößt. Leider kann ich Dir dazu keine genauen Maßangaben machen, da das aktuelle Gerät etwas anders 'designed' ist als mein 'Oldtimer'. Der Tank scheint kleiner zu sein. Vielleicht haben die Hersteller das Problem berücksichtigt. (Richtig justiert, beträgt die maximale Höhe des Gerätes jetzt 39 mm über Oberseite Schallplatte - Anm. Ei.)

Zur Bedienung: Das Gerät besteht aus drei Einzelteilen: dem höheneinstellbaren Fuß, dem Tank inkl. Arm und dem Bürstenkopf. Der Fuß besitzt ein doppelseitiges Klebeband, um ihn an geeigneter Stelle am Plattenspieler zu befestigen. Diese geeignete Stelle muß man durch Ausprobieren finden. Man hat sie gefunden, wenn das Gerät zuverlässig bis zur letzten Rille mitläuft. Ansonsten wird das Gerät soweit mit Flüssigkeit gefüllt, bis der transparente Arm halb voll ist. Zuviel ist schlecht, dann hält das Gerät nicht in abgehobener Stellung. Am Bürstenkopf sitzt ein kleiner Hebel, mit Hilfe dessen man die Flüssigkeitsmenge dosieren kann. Optimale Einstellung ist, wenn während des Abspielens immer ein ca. 10 mm breiter 'feuchter' Streifen entsteht. Das Gerät selbst ist nur auf den Fuß aufgesteckt und läßt sich einfach abnehmen. Die Anti-Skating-Einrichtung sollte man anpassen. Wieviel, steht in der Anleitung.

Zur Funktion des Synchronlaufs: Die Bürsten sind so fein, dass sie wie die Nadel des Tonabnehmers in der Rille mitlaufen. Und das funktioniert tatsächlich einwandfrei. Es kann nur folgendes vorkommen: Manche LPs sind in der Art und Weise verzogen, dass beim Abspielen einer Seite das Zentrum (Bereich des Labels) nicht richtig auf dem Teller aufliegt. Da kann es dann sein, dass das Nassabspielgerät das letzte Stück nicht mehr zuverlässig mitläuft, da es jetzt zusätzlich zur im Innenbereich größeren Tangentialablenkung auch noch 'bergauf' laufen soll. Dem habe ich mit einem kleinen Gewicht abgeholfen, das ich bei solchen Platten auflege.

An dieser Stelle vielleicht noch etwas zum größten Nachteil des Nassabspielens. Die Platten können, wenn sie mehrmals nass abgespielt wurden, nicht mehr trocken abgespielt werden, weil das Knistern zunimmt. Man hat mir schon erzählt, dass angeblich die Flüssigkeit die Platte angreifen würde. Das ist Quatsch. Der Grund hierfür ist, dass der feine Staub , der sich auf der feuchten Platte wieder absetzt (wohl keiner hört Platten im Reinraum), oder der ganz feine Staub, der von den Bürsten nicht erwischt wird, sich nach Abtrocknen fester und tiefer in der Rille einlagern kann (feucht aufgebrachter Dreck hält nun mal besser als trocken aufgebrachter Staub). Beim nächsten Nassabspielen wird dieser aber wieder gelöst. Nur sollte man gerade, wenn es um das Überspielen auf PC geht, das Nassabspielgerät am Anfang der LP erst kurz leer laufen lassen, bis sie wieder schön nass ist.

Will jemand das Nassabspielen aufgeben und in Zukunft seine LPs wieder trocken abspielen, so hilft eine gründliche Reinigung in Geschirrspülwasser mit anschließendem Abspülen mit destilliertem Wasser. Die schon erwähnte teure Flüssigkeit, die Lenco zum Gerät verkauft und jetzt 'Superfluid' heißt, soll angeblich das Trockenabspielen der LPs ermöglichen. Falls Du Dich zum Kauf des Geräts entschließt, kannst Du das ja mal probieren. Ich glaube nämlich, bei der Erstausrüstung ist eine Flasche dabei. Ich glaube es nicht, was Conrad behauptet, aber würde mich über ein Feedback diesbezüglich freuen. (Beim Trockenabspielen nach einer Nassbehandlung mit dem 'Superfluid' konnte ich keine vermehrten Störgeräusche feststellen als vorher [subjektiver Eindruck], allerdings sind größere Tropfen nicht rückstandslos verdunstet - Anm. Ei.)

Ich benutze die 'Selbstgemischte' aus der Apotheke. Ich lasse mir dort immer 1 Liter Flüssigkeit mischen:
1 Teil Isopropanol + 2 Teile doppelt destilliertes Wasser + 1-2 Tropfen Netzmittel aus dem Fotolaborbedarf. (Als Netzmittelersatz keinesfalls Geschirrspülmittel nehmen, wie viele empfehlen; da sind zu viele 'seltsame' Zusätze drin.)

Wichtig ist nur, wirklich doppelt destilliertes Wasser zu nehmen und nicht das einfach destillierte, das man für DM 1,-/l in jedem Bau- oder Supermarkt bekommt. Das taugt fürs Dampfbügeleisen oder die Autobatterie, aber nicht fürs Plattenabspielen.

Es gibt glaube ich auch billigere Geräte als das 'Lenco', aber ich würde davon abraten, da sich die Bürsten mit der Zeit abnutzen, und man für das Lenco problemlos Ersatzbürsten bekommt, was ich von 'Billigramsch' nicht glaube. Conrad-Electronic schreibt im Katalog, dass man die Bürsten nach Verbrauch einer Flasche Flüssigkeit (250ml) wechseln sollte. Das ist übertrieben. Ich wechsle die Bürste, wenn sie nicht mehr richtig mitläuft. Meistens sehen die Borsten dann so aus wie bei einer 'abgenudelten' Zahnbürste. Ich habe in der 'Vor-CD-Zeit' über zehn Jahre vielleicht vier Bürsten gebraucht.

Der Vollständigkeit halber, wenn jetzt das e-mail schon so lang geworden ist, noch ein Punkt: In Einzelfällen ist es schon vorgekommen, dass die Flüssigkeit die Nadel vom Träger gelöst hat. Ich habe das nur mal gelesen. Wenn der Klebstoff, mit dem der Diamant befestigt ist, sich durch Isopropanol-Einwirkung löst, dann muß das meiner Meinung nach ein Wahnsinns-Ramsch gewesen sein. Ich habe das noch nie erlebt und gehe davon aus, dass Du ein hochwertiges Tonabnehmersystem einsetzt.

Abschließend noch etwas zum Aufwand, den viele bemängeln. Klar, der Aufwand ist größer. Die Platte sollte nach dem Abspielen noch eine Weile an der Luft trocknen und nicht sofort in die Hülle gesteckt werden. Das Bedienen des Geräts ist auch manchen schon zu viel. Ich bin allerdings der Meinung, dass man für den Aufwand belohnt wird, indem die LPs wirklich nach x-mal Abspielen immer noch klingen wie neu. Außerdem beseitigt das Nassabspielen nicht nur deutliche Knacker und Knistern. Die LP hört sich insgesamt sauberer an. Ich muß sagen, dass sich die Klangqualität meiner LPs nicht vor der Klangqualität mancher NicePrice-CD verstecken muß. Viele hören sich sogar wesentlich besser an. Ich habe schon von LP-Freaks gehört, das Knistern und Knacken gehöre einfach dazu. Für die ist so ein Nassabspielgerät natürlich nichts.

Wie gesagt, ich würde meine LPs nie mehr trocken abspielen.

Viele Grüße
Martin Nägele"

Geschrieben am 2000-04-02





 

Bezugsquellen:

Anbieter http://www.conrad.de/ http://www.musictools.de/
Produkt Nassreinigungs-Set für Plattenspieler Nassabspielset
ehemals Lencoclean
Bestell-/Artikel-Nr. 312088-62 1069
Preis
(Brutto zzgl. Versand)
EUR 29,95 EUR 27,90





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